Korbinian Aigner
Ein bayerischer Dorfpfarrer
zwischen Obstbau und Hochverrat

eine Filmdokumentation
von Bernt Engelmann
und Gisela Wunderlich

43', 16:9, PAL, Stereoton
© München 2004

Sprecher:
Ilse Neubauer
Christoph Jablonka
Daniela Hay
Jürgen Reifschneider

Musik:
Johanna und Christofer Varner

Interviews:
Anton Bauer
Andreas Hörger
Dr. Peter Steiner

Als DVD erhältlich für 20,-€ inkl. Verpackg., Versand und MWST.
Kontakt

Im Oktober fällt der Korbiniansapfel reif vom Baum, er duftet würzig, gelbrot geflammt leuchtet seine Schale, und wenn man hineinbeißt, knackt sein Fruchtfleisch fest und saftig. Ein ganz normaler, guter Tafelapfel? Zum Korbiniansapfel gehört eine besondere Geschichte, die Geschichte eines Pfarrers, der die Äpfel liebte - und für diese Liebe sogar sein Leben gegeben hätte.

Korbinian Aigner verstand sich immer als politische Figur: Neben seinen seelsorgerischen Pflichten war ihm ein Anliegen, dass die Kinder des Dorfes zum Lesen angehalten wurden und eine solide Bildung erhielten, mit seiner Leidenschaft für den Obstbau vertrat er zu seiner Zeit ein durch und durch ökologisches Anliegen. Nicht zuletzt verstand er es auch, die Ernährungsgewohnheiten der ländlichen Bevölkerung zu verändern und so zu ihrer Gesundheit beizutragen.

Aigner ist ein Konservativer im besten Sinne des Wortes: Bewahren und pflegen sind für ihn nicht Floskeln, die er von der Kanzel predigt, sie sind sein Lebensprinzip. Als er 1923 erstmalig bei einer Versammlung der Nationalsozialisten Adolf Hitler reden hörte, erschrak er zutiefst über den paranoiden Hass, den Hitler auf Juden, Kommunisten und katholische Geistliche zum Ausdruck brachte und erkannte sofort die Gefahr, die dieser Mann für die politische Zukunft bedeutete.Seine Person und seine Passion für Äpfel dienen in diesem Film als Schnittpunkt für ein kultur- und zeitgeschichtliches Panorama, das weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Korbinian Aigner hat über 1200 farbige Darstellungen von Obstsorten angefertigt, die ihm selbst ganz praktisch als Hilfsmit
tel zur Bestimmung von Apfelsorten dienten. Die künstlerische Qualität dieser Blätter muss völlig neu bewertet werden. Gerade weil keine künstlerische Absicht vorlag, gelingen ihm Bilder von unglaublicher Präsenz und Dichte.

Wie Recherchen zeigen, haben schon vor ihm Pomologen - häufig Geistliche wie er - versucht, Äpfel möglichst naturgetreu darzustellen. Gemalt, aus Pappmaché oder aus Wachs finden sich in Österreich und Tschechien bewundernswerte Beispiele.

Der Apfel ist ein vielfältiges Symbol und nimmt unter den Obstsorten eine merkwürdige Sonderstellung ein. Nicht nur als Synonym für Verführung, wie dies irrtümlich durch eine Bibelübersetzung überliefert wird, sondern auch als Symbol für Gesundheit, Kraft und Schönheit.

Im Mittelpunkt des Films steht die Biographie Korbinian Aigners, der in seiner Person Liebe zur Natur, Vitalität, Leutseligkeit, künstlerische Begabung, Authentizität und Geradlinigkeit vereinigte, wie sie in dieser originären Weise nur in der ländlichen Bevölkerung vorzukommen scheint.

Durch das Attentat Georg Elsers im Münchner Bürgerbräu-Keller im November 1939, das Aigner im Religionsunterricht kommentiert, beginnt eine denkwürdige Verflechtung des Schicksals zweier Männer, die sich mit dem nationalsozialistischen Terror nicht abfinden wollten.
blocks_image
blocks_image
blocks_image
blocks_image
blocks_image
blocks_image
blocks_image
blocks_image